Vorwärts auf der Stelle treten

Kabelmüll

Es geht voran, aber mühsam, gaaaaanz mühsam. Immer mehr alte Kabel fliegen raus, wobei “fliegen” in diesem Zusammenhang stark übertrieben ist. Kriechen heraus wäre wohl doch passender. Dabei sollte man meinen, Kabel raus, das ist doch einfach. Doch leider sind diese Kabel in Kabelrohren und diese wiederum mit Kabelschellen an der Bordwand befestigt. Und diese Befestigungen sitzen an Stellen, die ich mit meinen kräftigen (zu kurzen) und muskelbepackten (zu dicken) Armen kaum oder gar nicht erreichen kann. Es sind immer Verkleidungen, Vertäfelungen sowie andere Kabel und Rohrleitungen im Weg. Die sich aber alle sämtlich natürlich nur äußerst schwer entfernen lassen. Wobei, ab geht immer – doch sollten sie hinterher auch wieder montierbar (Verkleidungen etc.) sein. Da fangen die Probleme dann an …

Doch immerhin ist der Landstrom inzwischen schon mal an Bord. Man kann zwar noch nichts damit anfangen, weil weder die Landanschluss-einheit (LAE 234 LG von Philippi) noch Steckdosen installiert sind, doch über die Integrität des Kameraden Landstrom bin ich mir jetzt jederzeit im Klaren. Denn da die LAE (unverständlicherweise) auf eine Polaritätsanzeige verzichtet, habe ich zusätzlich ein AC-Netz-Kontrollpanel unter dem Cockpit installiert.

Alles bestens …

Die Philippi LAR klärt über die korrekte Polarität des Landstroms auf und gibt Alarm, sollte der Schutzleiter nicht angeschlossen sein. Braucht man natürlich theoretisch bei der Verwendung von CEE-Steckern und -Dosen nicht, da damit ja immer klar ist, wo Phase (L1), Neutralleiter (N) oder Erde (PE) liegen. Doch nicht nur in der Bootshalle ist der stolze Kapitän manchmal auf die Verwendung eines schnöden Schuko-Steckers (mit CEE-Schuko Adapter) angewiesen. Und der verrät einem ums Verrecken nicht, auf welchem Kontaktstift nun gerade die Phase zu finden ist. Hier schafft eben die LAR Abhilfe: rote Lampe an – L1 und N sind verpolt; grüne Lampe – alles ok; leuchten beide Lampen, dann hat man den Schutzleiter vergessen. Zudem kann ich nun direkt nach dem Anschluss des Landstroms mit einem Blick von außen ins Cockpit erkennen, ob die Polarität in Ordnung ist.

Frohe Weihnachten!

Kommentare

  1. Das klingt alles furchtbar kompliziert. Und wenn Ihr Euch einfach die Queen Mary 2 kauft? Die ist gut in Schuss und Platzprobleme mit den beiden Riesenpuscheln gäbe es da auch nicht. Dein Lieblingsmonster meint auch, das sei das angemessene Bootchen für Euch.

    LG von der Monstermeute

    • Die QM2 – mmmh, da gefällt mir das Oberdeck nicht wirklich 😎 Da bleiben wir lieber bei unserem kleinen Böotchen und regeln dieses Elektrik-Ding. Wird schon werden …
      LG Retour und schöne Festtage.

  2. Ja. In Deutschland haben wir grundsätzlich – auch in Häusern an land – nicht polarisierte (nach der neuen DIN EN ISO 13297 “ungepolte”) Systeme, das heißt, dass z.B. Schuko-Stecker in Steckdosen in beide Richtungen funktionieren – dem Toaster oder der Leuchte ist es egal, wie der Stecker in der Steckdose steckt. In Häusern ist die Position des Neutralleiters vom EVU festgelegt, so dass das Leitungsnetz im Prinzip schon polarisiert ist, alles, was fest verlegt ist, sollte eindeutig definiert sein, also blau für Neutral, Schwarz oder braun für L1/2/3 und gn/ge für PE. An der Steckdose ist dann aber Schluss damit: Das Gerät muss einwandfrei und sicher funktionieren, egal, wo nun welcher stromführende Leiter liegt. Anders z.B. GB: Hier sind die Stecker nur in einer Position einsteckbar, so dass hier auch oft der Außenleiter zusätzlich im Stecker mit einer Schmelzsicherung versehen ist. In DE könnte dies dazu führen, dass der Neutralleiter abgeschaltet wird, was fatale Folgen haben könnte. Da die Versorgung einer Yacht durch Landstrom vom VDE eher wie ein größereres Bügeleisten angesehen wird, geht man hier grundsätztlich von einem ungepolten System aus, in dem folglich beide stromführenden Leiter (L1 und N) mit zweipolig schaltenden Leitungsschutzschaltern abgesichert sein müssen, eben um zu verhindern, dass nur der Neutralleiter im Fehlerfall unterbrochen wird. Außer, es ist ein Trenntrafo vorhanden, mit dem ein der Hauselektrik entsprechendes gepoltes System bis zu den Steckdosen geschaffen werden kann. Für die Gebrauchssicherheit von Geräten und Anlagen ist letztlich nur entscheidend, dass in jedem Fall die Schutzleiterfunktion erhalten bleibt, wie Außen- und Neutralleiter gepolt sind, ist in allen Fällen egal – ein gutes Argument gegen Galvanische Isolatoren. Soweit zu einphasigen Systemen. Bei zwei- und dreiphasigen Systemen ist die Lage des Mittelleiters entscheidend für die Funktion, dafür gelten jedoch andere Normen und es werden in der Regel Stecksysteme verbaut, in denen die Positionen der Leiter fixiert ist. Zudem gibt es in solchen Systemen definitionsgemäß keine “ungepolten” Systeme. Im Umkehrschluss ist es daher vollkommen egal, welcher der stromführenden Leiter L1 und welcher N ist – die Systeme müssen so ausgelegt sein, dass sie in beiden Fällen sicher funktionieren. Polaritätsanzeigen sind insofern eine nette Spielerei, haben aber in korrekt aufgebauten Systemen keine Funktion. Auf der letzten Sitzung der AG Yachtelektriker im DBSV wurde dazu die Frage gestellt, was denn der Schiffsführer tun soll, wenn falsche Polarität angezeigt wird. Die falsche Antwort ist: Den CEE-Stecker öffnen und die Leiter vertauschen. Das darf er nicht, es sei denn, er ist eine elektrotechnisch unterwiesene Person. Auf einem Ami-Schiff mit gepoltem System kann er nur die Elektrik stilllegen und einen Elektriker rufen, in deutschen Systemen ist die richtige Antwort: Nichts, außer vielleicht den Hafenmeister darauf hinweisen, dass die CEE-Landstromanschlusssteckdose falsch gepolt ist.

    • Wow, danke für Deine sehr fundierte und ausführliche Antwort, die ich im Moment gerade noch verarbeite 🙂 Doch ein Punkt macht mich direkt stutzig: Ich habe einen Zink-Saver installiert, um die Erde vom “Landstrom” gar nicht direkt in mein Bordsystem zu lassen. Sondern über den Zink-Saver zunächst an meine Bootsmasse und erst von dort dann ins Bordsystem. Du schreibst: ” … dass in jedem Fall die Schutzleiterfunktion erhalten bleibt, wie Außen- und Neutralleiter gepolt sind, ist in allen Fällen egal – ein gutes Argument gegen Galvanische Isolatoren.” Mein Galvanischer Isolator ist also ebenso überflüssig wie mein LAR, der nur eine “nette Spielerei” ist. In einem korrekt installierten System, wie ich Dich verstanden habe. Ist das richtig so, also vom Verständnis Deines Textes her? Aber immerhin schadet weder der Zink-Saver noch die Polaritätsanzeige – ich hätte das Geld nur besser investieren können. In ein weiteres Fachbuch zum Beispiel … *grummel* Danke für Deine Zeit und Mühe!

      • Nicht ganz. Das mit den galvanischen Isolatoren ist auf den ersten Blick einfach, beim zweiten und dritten wird’s schwierig. Zunächst: Der GI enthält im Grunde zwei gegensinnig gepolte Dioden (Materialwert ca. 12 Cent), die die Eigenschaft haben, Spannungen unter ihrer “Schwellspannung” nicht durchzulassen. Diese beträgt bei Silizium-Dioden etwa 1,6 Volt. Fast alle im Salzwasser entstehenden galvanischen Spannungen (entsprechend der elektrolytischen Spannungsreihe der Metalle) liegen unter dieser Schwellspannung, werden daher nicht durchgelassen – damit wäre die galvanische Korrosion unterbunden. Höhere Spannungen – so auch die für die Schutzleiterfunktion benötigten – werden durchgelassen. Diese – an sich geniale und in den 90ern von einem Briten erfundenen – Geräte haben jedoch diverse Unzulänglichkeiten. Erstens: Es gibt keine Anzeige, ob der Schutzleiter nicht doch, z.B. infolge einer Überspannung an den Dioden – unterbrochen ist. Was fatale Folgen haben könnte. Liegt auf dem Schutzleiter – etwa infolge eines Fehlers auf einem anderen Schiff – eine Wechselspannung, die die Schwellspannung übersteigt, werden die Dioden durchlässig und lassen auch die schädlichen Gleichspannungen durch. Dazu gibt es Galvanische Isolatoren mit einem Kondensator, der dies verhindern soll, aber die sind selten. Aber das Hauptargument gegen die GI’s ist, dass sie in einem GFK-Rumpf weitgehend überflüssig sind. Hier gibt es keine galvanische Korrosion, lediglich Wellenanlage bzw. Z-Antrieb und Propeller liegen im Wasser, können jedoch gut durch ein kathodisches Korrosionsschutzsystem (Opferanoden) geschützt werden. Nicht seewasserbeständige Borddurchlässe werden durch GI’s nicht geschützt, da hier die Korrosion im Material selbst entsteht. In der nächsten Ausgabe der DIN EN ISO 13297 werden – wahrscheinlich – folgerichtig nur noch Galvanische Isolatoren zugelassen, die den Vorgaben der AYBC entsprechen. Diese müssen Überspannungen in einem definierten Bereich standhalten, ohne dass die Dioden zu Schließern (dann ist die galvanische Schutzwirkung futsch, aber der Schutzleiter funktioniert noch) oder zu Öffnern (dann funktioniert die galvanische Schutzwirkung, aber der Schutzleiter nicht mehr) werden. Ich ärgere mich immer noch, warum mir das nicht eingefallen ist – alles mit einem Materialeinsatz an Elektronik von ein paar Cent!

        • …noch was: Ihr habt ein Probeabo, habe ich gesehen. Darin gibt es einen Artikel, der auch in diese Thematik passt, über die Seewasserbeständigkeit von Metallen. Es gibt da noch einige mehr, aber nicht im Probeabo – kommt, wenn Ihr “Galvanische Isolatoren” in die Suche eingebt.

          • Ja, Deine Seite ist ein Quell des Wissens. Ich werde mich spätestens dann um ein Abo kümmern, wenn ich mit dem 12V-Krempel der Gleichstrom-Installation beginne. Da habe ich, trotz meiner Bücher, noch einige klitzekleine Wissenslücken 😉

        • Danke für Deinen Kommentar; “natürlich” habe ich mich beim Kauf des Zink-Savers an der DIN orientiert und nun prompt festgestellt, dass das Ding selbstverständlich nicht den AYBC-Vorgaben entspricht. Man kann aber immerhin wohl nachmessen, ob das Teil noch funktioniert *hmpf* Also eine weitere Aufgabe im Winterlager *notier*

  3. Michael Herrmann meint:

    Kleine Anmerkung am Rande: Polaritätsanzeigen sind in ungepolten Systemen – wie in DE üblich – überflüssig. Dafür müssen ja in allen Haupt- und Nebenstromkreisen beide stromführenden Leiter (L1 und N) abgesichert sein.

    • Willkommen, Michael und danke für Deinen Kommentar 🙂
      Ich bin da nicht der Experte vor dem Herren, meine aber in einem meiner “schlauen” Bücher gelesen zu haben, dass es für die Benutzersicherheit an manchen Geräten schon entscheidend sein kann, dass die Polarität korrekt ist!? Liege ich da so daneben?

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